Wie Schriftarten unser Denken beeinflussen

Wie Schriftarten unser Denken beeinflussen

Vor einiger Zeit hatte ich bereits über eine Studie berichtet, nach der die Schriftgröße die Wirkung emotional aufgeladener Wörter noch verstärkt. Nun bin ich durch Susan Weinschenks Serie “How To Get People To Do Stuff” auf eine weitere Studie aufmerksam geworden, nach der die Schriftart wohl Auswirkungen auf unser Denken hat. Genauer ging es darum, dass eine Aufgabe in zwei verschiedenen Schriftarten präsentiert wurde. Die leichter zu lesende Schriftart erzeugte hierbei mehr Fehler bei den Antworten der Teilnehmer als die schwieriger zu lesende Schriftart. Im folgenden Video erklärt Susan Weinschenk diesen etwas überraschenden Effekt.

Video: The surprising effect of hard to read fonts

Wer tiefer einsteigen möchte, sollte unbedingt den Bestseller “Schnelles Denken, langsames Denken” des Nobelpreisträgers Daniel Kahnemann lesen. Letztlich beruht der oben genannte Effekt auf unserem System des schnellen, intuitiven Denkens und des langsamen, logischen, analytischen Denkens. Ist eine Schriftart einfach zu lesen greift System Nummer 1 und wir machen Fehler, ist die Schriftart jedoch schwieriger zu lesen greift System Nummer 2 des langsamen, analytischen Denkens.

Eine brandaktuelle Studie von Hernandez und Preston zeigt, dass der Einsatz schwieriger Schriftarten auch den sogenannten Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) reduziert. Wir neigen nämlich dazu bevorzugt nach Informationen zu suchen, die unsere vorgefasste Meinung oder Entscheidung bestätigen. Hat man sich bspw. für den Kauf eines Autos einer bestimmten Marke und Ausführung entschlossen, dann wird man anschließend nach Informationen suchen, die die Vorteile dieser Entscheidung aufwerten.

“We showed that if we can slow people down, if we can make them stop relying on their gut reaction — that feeling that they already know what something says — it can make them more moderate; it can have them start doubting their initial beliefs and start seeing the other side of the argument a little bit more” (Ivan Hernandez)

Das soll jetzt natürlich keine Aufforderung sein, Texte auf Webseiten oder sonst irgendwo schwer lesbar zu machen. Aber in bestimmten Situationen könnte dieser Effekt ganz interessant sein, denkt man mal an Nischenstrategien im Bereich SEO und Content-Entwicklung…

 

Zum Weiterlesen:

  • Hernandez, Ivan; Preston, Jesse Lee (2013): Disfluency disrupts the confirmation bias. In: Journal of Experimental Social Psychology, Jg. 49, Nr. 1 >> zum PDF
  • Song, Hyunjin; Schwarz, Norbert (2008): If It’s Hard to Read, It’s Hard to Do: Processing Fluency Affects Effort Prediction and Motivation. In: Psychological Science, Jg. 19 >> zum PDF

 

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