Prosumenten an der Macht – Bewegtbild im Web

Prosumenten an der Macht – Bewegtbild im Web

Infografik zur Nutzung von Web-Videos

Web-Videos erobern die Online-Welt! Eine Infografik von netspirits

Web-Videos sind cool. Web-Videos reißen mit. Web-Videos sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Laut der Studie „Bewegtbild im Web“ des Bundesverbands Digitale Wirtschaft e. V. (BVDW) machten Videos rund 60 Prozent des gesamten Internet-Traffics im Jahr 2012 aus. Auf der wohl bekanntesten Video-Plattform YouTube wird jeden Tag Videomaterial konsumiert, das selbst 500 Jahre lang ist. Und jeden Tag entdecken die Nutzer neue Videos. Bedenkt man, das dieses Material auch produziert und hochgeladen werden muss, ist das eine enorme Entwicklung. Doch wer sorgt für ständig neue Clips? Größtenteils sind das die Nutzer selbst: 2012 wurde jede Minute 60 Stunden Videomaterial auf YouTube platziert. Das heißt: Jede Minute im echten Leben sind zweieinhalb Tage auf YouTube. Die Konsumenten werden so gleichzeitig zu Produzenten, zu „Prosumenten“.

Zeit und Aufmerksamkeit werden damit zu einer starken Währung. Und Aufmerksamkeit wird nur noch dem geschenkt, der wirklich interessant ist, unterhält, für Mehrwert sorgt. Aus verhaltenspsychologischer Sicht ist der Mechanismus längst bekannt: Ein Reiz führt bei ausreichender Motivation und Fähigkeit zu einem bestimmten Verhalten. BJ Fogg hat dies für das Internet übersetzt. Er sagt sinngemäß: Je einfacher ein Ziel durch eine bestimmte Handlung zu erreichen ist, umso eher wird man diese Handlung auch durchführen. Und was ist einfacher, als ein Video anzuschauen?

Motivation, Reiz und die Fähigkeit zu handeln

Wenn also die Motivation ist, nicht als einziger das Jahrhundertevent eines Space Jump zu verpassen, oder aber dieses verdammte E-Mail-Programm einrichten zu können, dann ist ein Video-Clip der einfachste Weg zum Ziel. Die Motivation ist klar: mitreden können, dabei sein, soziale Akzeptanz spüren, oder ein scheinbar unlösbares Problem lösen.

Erklärt das den Erfolg von YouTube? Nicht in Gänze. Denn zu der schier unendlichen und stets abrufbaren Masse an Information kommen die Eigenschaften des Videos selbst sowie die interaktiven Möglichkeiten der Video-Plattform. Videos sprechen direkt die Gefühlsebene des Beobachters an. Eine schöne Frau, die einen Rasierer erklärt, wirkt direkter und nachhaltiger, als ein technisches Datenblatt. Mit dem Rasierer wird gar ein positives Gefühl verbunden. Und das zeigen die Nutzer, per Kommentarfunktion oder Social-Share-Button. Und wieder ist der Nutzer gleichzeitig aktiver Part und als Prosument an der Macht.

Teilen, was überzeugt

Die Reichweite, die ein gut gemachtes Video so erreichen kann, ist enorm. Das zeigen viele Beispiele, nicht zuletzt aus dem Marketing. Hier gilt wohl die etwas abgewandelte Regel von oben: Ein Reiz führt bei ausreichender Motivation und Fähigkeit zum gewünschten Verhalten.

Procter&Gamble (P&G) schaffte es als Fallbeispiel in die BVDW-Studie. Der Hersteller vieler Wasch- und Pflegeprodukte nutzte das Video-Portal YouTube für seine Old-Spice-Werbekampagne. Die unterhaltsamen Kurzclips mit dem gutaussehenden und charmanten Mustafa erreichten teilweise über 45 Millionen Nutzer. Procter&Gamble waren in den 30er Jahren übrigens auch die Erfinder der „Soap Opera“, und zwar mit demselben Prinzip: Unterhaltsame Geschichten im täglichen Radioprogramm brachte die amerikanische Hausfrau zum Kauf von Procter&Gamble-Waschmittel. Ein Zufall? Wohl eher der Beweis, dass Werbung ehrlich und nachhaltig unterhalten muss, um zu funktionieren.

Stellt sich die Frage: Wie weit lässt sich die Entwicklung noch steigern? Zeigen die Nutzer irgendwann Anzeichen einer Sättigung? Bisher ist davon nichts zu erkennen. Ganz im Gegenteil, die Nutzung von Web-Videos wächst und wächst. Weltweit erkennen immer mehr Unternehmen den Wert von Web-Videos für ihre Werbestrategien, aber auch für ihren Kundenservice (Stichwort: Erklär-Video). Doch deutsche Unternehmen hinken hinterher. Das Potenzial zumindest hierzulande ist noch riesig, und wer jetzt einen Kanal bei YouTube aufbaut, kann wertvolle Marktvorteile mitnehmen. Vorausgesetzt er weiß, warum sich Web-Video-Nutzer wann wie verhalten. Was meinen Sie?


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Autor des Artikels

Christian Tembrink ist Mit-Gründer und Geschäftsführer der Internetmarketing Agentur netspirits in Köln. Der leidenschaftliche Drachenflieger berät seine Kunden bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Internet-Auftritte. Insbesondere in den Themen Web-Video und Verkaufspsychologie hat er so einen enormen Erfahrungsschatz aufbauen können.

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