Experiment zum Framing-Effekt

Experiment zum Framing-Effekt

Heute möchte ich mal zur Abwechslung von einem kleinen Experiment berichten, das ich letztes Jahr mit 27 Testpersonen durchgeführt habe, um den hier im Blog bereits vorgestellten Framing-Effekt zu testen. Für die Überprüfung des Effekts wurden im Rahmen des kleinen Experiments folgende Hypothesen aufgestellt:

  1. Bei einem positiven Rahmen zeigen sich Personen eher risikoavers und tendieren zur sicheren Alternative. Bei einem negativen Rahmen hingegen tendieren Personen eher zu einem risikofreudigen Verhalten und wählen eher die unsichere Variante.
  2. Es wird erwartet, dass der Effekt im positiven Rahmen stärker auftritt als im negativen Rahmen. Das heißt, bei der positiven Darstellung sind Personen risikoaverser als sie bei der negativen Darstellung risikofreudig sind.
  3. Der Framing-Effekt wird durch die Präsentation der Antwortmöglichkeiten als Mischform (positive und negative Formulierung) abgeschwächt.

Durchführung des Experiments

In Anlehnung an das bekannte „Asian Disease Problem“, mit welchem die Wissenschaftler Tversky und Kahnemann den Framing-Effekt 1981 demonstrierten, wurde zunächst eine Entscheidungssituation konstruiert, die entweder positiv oder negativ gerahmte Antwortmöglichkeiten zur Auswahl hatte. Als dritte Variante wurde eine Art Mischform konstruiert, die sowohl die positive als auch die negative Formulierung beinhaltete. Diese unterschiedlichen Darstellungsformen wurden als Online-Befragung per Zufallsverfahren an die jeweiligen Testpersonen verteilt. Eine Gruppe erhielt dabei die positiv gerahmte Entscheidungssituation (Gewinn-Rahmen), eine zweite Gruppe erhielt die negativ gerahmte Entscheidungssituation (Verlust-Rahmen) und die restlichen Testpersonen erhielten die Mischvariante.

Frage

Stell dir vor bei deinem nächsten Arztbesuch wird ein sehr aggressiver Gehirntumor diagnostiziert. Der Arzt sieht jedoch Heilungschancen, wenn du dich für eine von zwei neuartigen Therapieformen entscheidest:

Positiver Rahmen

  • Therapie A: Von 100 Leuten, die eine solche Therapie durchführen lassen, werden 33 Leute geheilt.
  • Therapie B: Von 100 Leuten, die diese Therapie durchführen lassen, werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 alle geheilt und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 kann niemand geheilt werden.

Negativer Rahmen

  • Therapie A: Von 100 Leuten, die eine solche Therapie durchführen lassen, sterben 67 Leute.
  • Therapie B: Von 100 Leuten, die diese Therapie durchführen lassen, stirbt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 niemand und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 sterben alle.

Gemischter Rahmen

  • Therapie A: Von 100 Leuten, die eine solche Therapie durchführen lassen, werden 33 Leute geheilt und 67 Leute sterben.
  • Therapie B: Von 100 Leuten, die diese Therapie durchführen lassen, werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 alle geheilt und niemand stirbt und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 wird niemand geheilt und alle sterben.

Ergebnisse

Ergebnisse Experiment zum Framing Effekt

Ergebnisse des Experiments zum Framing-Effekt

Bei der Auswertung der Antworten konnte festgestellt werden, dass sich Personen bei der positiven Rahmung deutlich für die sichere Alternative entschieden, obwohl die zweite Alternative eine höhere „Gewinnerwartung“ hatte. Bei der negativen Rahmung reagierten sie hingegen eher risikofreudig.

Auch wenn die Einschränkung gilt, dass die Stichprobe nicht repräsentativ gewesen ist, so bestätigen die Befragungsergebnisse hier dennoch die erste Hypothese. Die zweite These kann hingegen nicht eindeutig bestätigt werden. Zwar tendieren mehr Personen im Gewinnrahmen zur sicheren Alternative als im Verlustrahmen risikofreudig entschieden wird, jedoch ist dieser Unterschied nur durch die Antwort einer Person begründet. Um diese Annahme eindeutig bestätigen oder verwerfen zu können, müsste folglich eine größere Anzahl an Testpersonen herangezogen werden. Bei der dritten Variante, der Mischform, lassen die Ergebnisse ebenfalls ein risikoaverses Verhalten erkennen. Es wird aber auch deutlich, dass durch die Mischform der Framing-Effekt scheinbar abgeschwächt wurde und keine eindeutige Tendenz zu einer der beiden Alternativen mehr feststellbar ist (5 Personen wählten Therapie A und 4 Personen wählten Therapie B).

Der Framing-Effekt kann scheinbar schon durch eine kleine Formulierungsvariation abgeschwächt werden. Andererseits wird durch die Mischform aber auch das Ergebnis der positiven und der negativen Rahmung erst bekräftigt. Es verdeutlicht, dass Personen innerhalb eines positiven Rahmens deutlich risikoaverser entscheiden als bei einer Mischform, ebenso entscheiden sie deutlich risikofreudiger in einem negativen Rahmen als bei der gemischten Darstellung. Diese Aussage kann natürlich nur für dieses Experiment getroffen werden; aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und der einmaligen Durchführung ist eine Verallgemeinerung ausgeschlossen.

Zu kritisieren ist bei diesem Experiment weiterhin, dass die unterschiedlichen Frames auch unterschiedlichen Probanden vorgelegt wurden, das heißt es kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie die Probanden entschieden hätten, wenn ihnen sowohl die positiv als auch die negativ formulierte Situation vorgelegt worden wäre. Bei der dritten Variante müsste weiterhin noch untersucht werden, ob die Reihenfolge der Darstellung Auswirkung auf die Entscheidung hat. Das heißt, ob eine andere Entscheidung getroffen wird, wenn zuerst die negative und dann die positive Formulierung verwendet wird. Des Weiteren wurde in diesem Experiment lediglich untersucht, ob ein Framing-Effekt durch die unterschiedliche Formulierung (heilen vs. sterben) zustande kommt. Es konnten hiermit aber keine Aussagen getroffen werden, wie sich andere Variablen auf die Entscheidung auswirken, wie z.B. die gewählte Anzahl der geheilten/sterbenden Personen oder auch das Verhältnis zwischen der Situation und demjenigen der entscheiden muss.

Vermutet werden kann in diesem Experiment, dass die Ergebnisse deshalb so deutlich ausfielen, weil die Entscheidungssituation direkt auf die eigene Gesundheit der Testpersonen ausgerichtet war und es im Prinzip um „Leben und Tod“ ging, was wahrscheinlich einen emotionalen Aspekt hervorruft und die Entscheidung für eine sichere oder risikofreudige Alternative bedingt.

Anzumerken ist weiterhin, dass in diesem Experiment lediglich das Entscheidungsverhalten zwischen identischen Optionen versucht wurde nachzuvollziehen. In der Realität stehen wir aber, wie wir wissen, oftmals anderen und komplexeren Entscheidungssituationen gegenüber.

Dennoch ist es spannend die zahlreichen Heuristiken selbst mal zu testen :) Probiert es doch auch mal aus und berichtet dann, welche Erfahrungen ihr gemacht habt! :)

 

Quelle des Artikelbildes: adamr / FreeDigitalPhotos.net

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