Beeinflusst die Verwendung von Substantiven unser Verhalten?

Beeinflusst die Verwendung von Substantiven unser Verhalten?

Die Bedeutung von Wörtern und ihr Einfluss auf unser Verhalten kann ein interessanter Aspekt bei der weiteren Untersuchung des Nutzerverhaltens und der Gestaltung von Texten auf Webseiten sein. Im Zuge dessen bin ich auf zwei Studien aus den Jahren 2004 und 2011 gestoßen. Es ist eigentlich allgemein bekannt, dass es auf die Wahl unserer Worte bzw. auf die Formulierung ankommt, wenn wir etwas von jemandem möchten. Was allerdings interessant ist und welcher Frage sich der Psychologe Gregory Walton widmete: Gibt es einen Unterschied zwischen der Verwendung von Substantiven und Verben?

In einer Umfrage vor einer Wahl stellte Walton einmal die Frage: “How important is it to you to be a voter in tomorrow’s election?” und ein anderes Mal “How important is it to you to vote in tomorrow’s election?”

Das Ergebnis: Wurde das Substantiv “voter” verwendet statt des Verbs “to vote”, so gingen 11% mehr zur Wahl am nächsten Tag.

Aber warum beeinflussen Substantive unser Verhalten scheinbar mehr als Verben? Bisher gingen bestimmt die meisten von uns davon aus, dass direkte Verben mehr Aktion hervorrufen. Die Verwendung eines Substantivs ruft aber scheinbar eine gewisse “Gruppenidentität” hervor, die so stark ist, dass sie ein direktes Verb übertrumpft:

Using a noun invokes group identity, that will trump a direct verb. People have a strong need to feel that they belong. People identify themselves in terms of the groups they belong to and this sense of group can deeply affect their behavior. You can stimulate group identity just by the way you have people talk about themselves or the way you phrase a question. For example, research shows that if people say “I am a chocolate eater” versus “I eat chocolate a lot” it will affect how strong their preference is for chocolate. (Dr. Susan Weinschenk)

Sowohl der Artikel zur “vote vs. voter”-Studie als auch letztgenannte Studie zum “Schokoladen Esser” sind frei im Netz verfügbar:

  • Walton, Gregory M. and Banaji, Mahzarin R. (2004): Being what you say: the effect of essentialist linguistic labels on preferences. In: Social Cognition, Jg. 22, Nr. 2, S. 193-213.
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  • Bryan, Christopher J.; Walton, Gregory M.; Rogers, Todd and Dweck, Carol S. (2011): Motivating voter turnout by invoking the self. In: PNAS, Jg. 108, Nr. 31, S. 12653 – 12656.
    >> zum PDF

Was denkt ihr? Kann die Verwendung eines Substantivs im Vergleich zum Verb wirklich andere Verhaltensweisen hervorrufen? Ich freue mich auf eine interessante Diskussion!

 

Quelle des Artikelbildes: Danilo Rizzuti / FreeDigitalPhotos.net

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